Melchior Grodecz
Stephan Pongrácz

(19. Jänner)

 

 

 

 

 

Der Ungar Stephan Pongrácz wurde 1582 auf Schloss Alvinc/ Vintul de Jos in Siebenbürgen geboren. Nach dem Schulbesuch bei den Jesuiten in Klausenburg (Cluj) trat er im Juli 1602 in den Jesuitenorden ein. Auf das Noviziat folgten das Philosophiestudium und eine Tätigkeit als Lehrer an den Kollegien der Gesellschaft Jesu in Prag, Laibach und Klagenfurt. 1612 bis 1615 studierte er Theologie in Graz, wo er im Mai 1615 zum Priester geweiht wurde. Anschließend wirkte er als Lehrer und Prediger im Jesuitenkolleg in Homona bei Zemplin in der südöstlichen Slowakei.
Der Pole Melchior Grodecz (auch: Grodziecki) wurde 1582 im elterlichen Schloss bei Teschen (heute Cesky Tesin in Tschechien) geboren. Er war Schüler am Wiener Jesuitenkolleg und trat 1603 in die Gesellschaft Jesu ein. Im Noviziat in Brünn begegnete er erstmals Stephan Pongrácz. Seine Studien absolvierte er in Neuhaus (heute Jindrichu Hradec), Prag und Brünn. 1614 wurde er zum Priester geweiht. Danach wirkte er zuerst in Prag als Prediger in tschechischer und deutscher Sprache, anschließend in Brünn.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war der Calvinismus in der Slowakei (damals Teil des Königreichs Ungarn) und besonders in der Stadt Kaschau (heute Kosice) weit verbreitet. Die wenigen Katholiken, die noch in der Stadt oder in den umliegenden Dörfern lebten, hatten deshalb längere Zeit auf einen Priester verzichten müssen. 1618 wurden Stephan Pongrácz und Melchior Grodecz als Prediger und Volksmissionare nach Kaschau entsandt. Die beiden Jesuiten gingen in kleinen Ortschaften ihrer Tätigkeit nach, als sie im August 1619 die Nachricht hörten, calvinistische Truppen des Fürsten von Siebenbürgen Gábor Bethlen seien unter dem Befehl seines Heerführers Georg Rakoczi im Anmarsch auf Kaschau.
Gábor Bethlen war der Sohn eines ungarischen, in Siebenbürgen begüterten Aristokraten, der sich als hervorragender Reitergeneral in der Armee des Fürsten von Siebenbürgen ausgezeichnet hatte. Zweimal erwies er sich als "Königsmacher": 1605 verschaffte er Stephan Bocskai und 1608 Gabriel Báthory die siebenbürgische Fürstenkrone. Die Annäherung Báthorys an die Habsburger zwang Bethlen, einen erklärten Gegner der österreichischen Herrscher, jedoch zur Flucht zu den Osmanen. Im Oktober 1613 kehrte Bethlen mit einem türkischen Heer zurück, besiegte Báthory and ließ sich durch den Landtag zu Klausenburg zum Fürsten von Siebenbürgen wählen. Einen ersten Einfall in die habsburgischen Gebiete unternahm Bethlen, ein Verfechter des Protestantismus, bereits 1616. 1619 nutzte er den Böhmischen Aufstand (1618-1620), mit dem der Dreißigjährige Krieg begann, und eroberte in den Jahren bis 1621 fast die gesamte heutige Slowakei einschließlich Pressburgs.
Dieser Feldzug begann mit dem bereits erwähnten Angriff auf Kaschau, wohin die beiden Jesuiten sich auf die Nachricht vom Anmarsch der feindlichen Truppen zurückgezogen hatten. Gemeinsam mit dem Diözesanpriester Markus Stephan Crisinus (auch Körösi oder Stjepinac), einem Kanoniker aus Esztergom, entschieden sie sich, in der Stadt zu bleiben und das Schicksal der katholischen Gemeinde zu teilen. Nachdem die Stadt den calvinistischen Truppen am 5. September 1619 die Tore geöffnet hatte, wurden die drei Priester zunächst unter Hausarrest gestellt. Zwei Tage später drangen Soldaten in ihr Quartier ein und wollten sie - auch mittels Folter - zwingen, dem katholischen Glauben abzuschwören. Als ihnen das nicht gelang, enthaupteten sie Crisinus und Grodecz am 7. September. Pongrácz starb am nächsten Tag an den ihm zugefügten Verletzungen. 15 Jahre später wurden ihre sterblichen Überreste nach Tyrnau (heute Trnava) überführt und in der dortigen Jesuitenkirche feierlich bestattet.
Markus Crisinus, Melchior Grodecz und Stephan Pongrácz wurden 1904 von Papst Pius X. selig- und 1995 in Kaschau von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Ihr Andenken wird am 19. Jänner gefeiert.

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